Die Mispel (Mespilius germanica) gehört zu den Rosengewächsen (Rosacea) wie beispielsweise auch die Schlehe (Prunus spinosa) und gehört zum Wildobst, welches doch eigentlich nie im eigenen Garten fehlen sollte. Wildobst trug bereits Ötzi als Proviant mit sich. In seinem Fall waren es Schlehenfrüchte. Wildobst wie Mispeln, Vogelbeeren, Sanddorn oder Berberitze fanden bisher in Mittel- und Westeuropa leider nur wenig Beachtung. In meiner Kindheit wuchs ich auf einem Bauernhof auf und wir lebten dadurch ganz natürlich verbunden mit der Natur, stellten vieles selbst her und wussten um die Erfahrungen und Wissen unserer Vorfahren.
In der Phytotherapie (Kräuterheilkunde) werden heutzutage zum Beispiel vom Weissdorn lediglich noch die Blüten und Blätter genutzt. Bei mir persönlich fehlen die Weissdornfrüchte nie bei der Herstellung meiner eigenen Hausmittel aus dem Garten, da sie sich sehr bewährt haben für mich. Allerdings werden hier zwar in der modernen Phytotherapie die Früchte nicht genutzt, jedoch in der Spagyrik sowie Anthroposophie kommen durchaus auch noch alle Pflanzenteile des Weissdorns zum Einsatz. So auch die Firma Ceres, welche hochwertige Urtinkturen herstellt, verwendet für eine Weissdorntinktur die frischen Früchte des Weissdorns. In der TCM (chinesischen Medizin), wo sich ja auch dem älteren Wissen noch zuwendet, werden beispielsweise die Weissdornfrüchte mit ihrem süssen und sauren Geschmack der Milz, Magen und der Leber zugeordnet (die Milz hat in der westlichen Medizin eine andere Bedeutung. In der TCM ist sie für die Verteilung der Energie im Körper zuständig) und sie werden hier auch zur besseren Fettverdauung und um den Cholesterinspiegel zu senken eingesetzt. Also erneut: Die Natur kann immer wieder auch eine Apotheke für uns sein!
Wildobst im eigenen Garten
Wildobst sollte also aus verschiedenen Gründen nie im eigenen Garten fehlen. Es ist nicht bloss lecker zum Naschen, für unsere Gesundheit und Prävention vor Erkrankungen wichtig und es macht auch Spass eigene Hausmittel für sich und die Familie herzustellen, sondern eine Wildobsthecke bietet natürlich immer auch wichtigen Lebensraum für unsere Tiere, kann auch verhindern, dass Wildtiere in unserem Garten das Gemüse essen, verhindert Bodenerosion, sie kann Schadstoffe abfangen und zudem bieten Wildobsthecken natürlich immer auch Windschutz.
Die Mispel in der Heilkunde
Zu Mispelfrüchten findet man wenig Literatur. Hildegard von Bingen hat Mispelfrüchte bei schwächeren und eher etwas „sanften“ Menschen zur Stärkung empfohlen (eigentlich ähnlich wie Schlehenfrüchte). Sie empfahl die Mispel auch bei Blutarmut.
Wie die Weissdornfrüchte eignen sich jedoch auch Mispelfrüchte um unsere Milz zu stärken.
Die Gerbstoffe könnten allerdings sicher, wie einige Pflanzen in der Phytotherapie interessant sein bei einigen Krankheitsbildern und so waren bisher auch meine Erfahrungen damit.
Gerbstoffe, wie wir sie reichlich in der Mispel finden wirken im Allgemeinen:
- zusammenziehend
- stopfend
- blutstillend
- bakterienhemmend
- schimmelpilzwidrig
- betäubend
- austrocknend
- gerbend
Früher war das Wort: „Gerben“ für viele ein Begriff. Mithilfe von pflanzlichen Stoffen hat man früher Leder gegerbt (tierische Haut wurde in Leder überführt).
Die Ernte der Mispelfrüchte
Die Ernte der Früchte findet im November bis Dezember statt. Weil Mispeln einen hohen Gerbstoffgehalt besitzen, müssen wir sie erst über einen gewissen Zeitraum nach der Ernte lagern. Erst wenn das Fruchtfleisch braun und weich ist, eigenen sie sich allerdings zum Verzehr. Wir können Mispelfrüchte jedoch ernten, wenn sie noch unreif (hart) sind und sie dann erst für 3-4 Stunden ins Gefrierfach legen.
Mispelfrüchte in der Küche
Mispelfrüchte können wir roh, beispielsweise zum Frühstück im Müsli verzehren. Ich empfehle dir die Früchte jeweils zu ernten, wenn es einige Tage nicht geregnet hat. So sind sie trocken und neigen anschliessend auch nicht so stark zu Schimmel, als wenn sie zu feucht sind vom Regen.
Wenn sie genügend ausgereift sind, schmecken sie lecker süss. Sehr ähnlich sogar wie Aprikosen oder Pfirsiche. Mispelfrüchte enthalten wie natürlich viele Wildobstsorten einen hohen Anteil an Vitamin C, verschiedene andere Vitamine sowie Mineralstoffe und der Anteil an Pektin ist sehr hoch, weshalb daraus auch gerne Marmelade hergestellt wird.
Was bei der Ernte zu beachten ist?
Jede Frucht enthält fünf Kerne. Die Kerne und Haut sind vor dem Verzehr zu entfernen. Da die Mispel Gerbstoffe enthält, sollten wir sie nicht überdosieren. Eine zu hohe Dosierung von Gerbstoffen könnte unsere Schleimhäute reizen und sie austrocknen und im schlimmsten Falle sogar Übelkeit auslösen. Doch bei einer ganz normalen Dosierung sind sie natürlich wie beschrieben sehr gesund und auch keine Nebenwirkungen zu erwarten!
GERBSTOFFE IN DER NATUR
Gerbstoffe finden wir meist in allen Pflanzenteilen. Gehäuft finden wir sie jedoch in Rinden und Wurzeln. In der Natur haben Gerbstoffe eine konservierende und abgrenzende Aufgabe. Wusstest du, dass ohne Gerbstoffe die Wurzeln beispielsweise sofort zu modern beginnen würden im Erdreich? Gerbstoffe schützen Pflanzen vor Bakterien, Viren und Pilzen.
Auch in meinem Online-Kräuterkurs erkläre ich übrigens viel über Heil- und Wildpflanzen, verschiedene Wirkstoffe, welche Nebenwirkungen sie auch haben können und noch vieles mehr!
REZEPTE MIT MISPELN
Aus Mispeln lassen sich Gelee, Marmelade, Mus, Likör, Mispel-Vermicelle oder Schlorzifladen – „eine Spezialität aus dem Neckertal“ oder bestimmt wäre auch ein Fruchtleder möglich.
Wenn wir Marmelade herstellen wollen, eignet sich eine Flotte Lotte dazu, welche wir in jedem Hauswarengeschäft um die Ecke finden. Zur Not eignet sich auch ein Sieb. Die Marmelade könnten wir auch mit Xylit herstellen. Wer jedoch hier keinen üblichen Haushalts- oder Rohzucker verwenden möchte, sollte unbedingt beachten, dass die Marmelade nicht besonders lange haltbar ist. Ich würde den Rohzucker hier bevorzugen.
Mispel-Vermicelles
Das eingedickte Mispelmus mit Vanillezucker und Rum oder Cognac vermischen (oder ggf. erst mit Vanilleschoten aufkochen) und wie ein Vermicelles servieren.
Schlorzifladen – eine Spezialität aus dem Neckertal
Einen Kuchenteig auswallen. Mit einer Mischung aus Birnenmus, gedörrten Birnen und 1/8 Teil Mispelmus bedecken. Nach Geschmack Lebkuchengewürz oder Birnbrotgewürz beigeben. Der Guss stellen wir mit Sahne, Eier und Mehl her. In einem Verhältnis von 2 Tassen Sahne, 2 Eier und 1 EL Mehl und wenig Rohzucker, Zimt und eine Prise Salz hinzugeben.
Backzeit: Bei 220 Grad eine ½ h backen.
Quelle Rezepte: Die beiden letzten Rezepte stammen von Pavel Beco, Bio-Baumschule, CH-9115 Dicken SG.
Wenn du wie wir kaum oder gar keinen isolierten Zucker isst:
Mische deine Mispeln mit etwas Mandelmus und etwas Vanillepulver und so hast du beispielsweise einen gesunden, leckeren und süssen Brotaufstrich.