Die Mispel (Mespilius germanica) gehört zu den Rosengewächsen (Rosacea) wie beispielsweise auch die Schlehe (Prunus spinosa). Sie gehört zum Wildobst, welches nie im eigenen Garten fehlen sollte. Wildobst trug bereits Ötzi als Proviant mit sich. In seinem Fall waren es allerdings Schlehenfrüchte. Wildobst wie Mispeln, Vogelbeeren, Sanddorn oder Berberitze fanden bisher in Mittel- und Westeuropa leider nur wenig Beachtung. In meiner Kindheit wuchs ich auf einem Bauernhof auf. Wir lebten natürlich und sehr verbunden mit der Natur, stellten vieles selbst her und wussten um die Erfahrungen und das Wissen unserer Vorfahren.
In der Phytotherapie (Kräuterheilkunde) werden heutzutage zum Beispiel vom Weissdorn lediglich noch die Blüten und Blätter genutzt – ausser die Fa. Ceres nutzt hier auch noch die Weissdornfrüchte für ihre hochwertigen Urtinkturen. Bei mir persönlich fehlen jedoch die Weissdornfrüchte nie bei der Herstellung meiner eigenen Hausmittel aus unserem Permakulturgarten. Allerdings werden hier zwar in der modernen Phytotherapie die Früchte in der Regel nicht genutzt, jedoch in der Spagyrik sowie Anthroposophie kommen durchaus auch noch alle Pflanzenteile des Weissdorns zum Einsatz.
In der TCM (chinesischen Medizin), wo sich ebenfalls dem älteren Wissen zuwendet, werden die Weissdornfrüchte mit ihrem süssen und sauren Geschmack der Milz, Magen und der Leber zugeordnet. Die Milz hat in der westlichen Medizin eine andere Bedeutung. In der TCM ist sie für die Verteilung der Energie im Körper zuständig. Und Weissdornfrüchte werden zudem zur besseren Fettverdauung und um den Cholesterinspiegel zu senken eingesetzt.
Und auch im Ayurveda nutzte man den Weissdorn (Ban-sangli – Panjabi). Hier als Anregungsmittel für die Verdauung und für das Herz sowie bei Schlaflosigkeit. Doch hier nutzte man vorwiegend die Weissdornblätter und -blüten und die Früchte wurden lediglich teilweise verwendet. Den Weissdorn setzte man hier ein, um Vata zu vermindern und Pitta und Kapha werden in geringerem Mass vermehrt.
Wildobst im eigenen Garten
Wildobst sollte also aus verschiedenen Gründen nie im eigenen Garten fehlen. Es ist nicht bloss lecker zum Naschen, für unsere Gesundheit und Prävention vor Erkrankungen wichtig und es macht auch Spass eigene Hausmittel für sich und die Familie herzustellen. Eine Wildobsthecke bietet immer auch wichtigen Lebensraum für unsere Tiere, schützt unser Gemüse vor Wildtieren, verhindert Bodenerosion, sie kann Schadstoffe abhalten und zudem bieten Wildobsthecken natürlich immer auch Windschutz.
Die Mispel in der Heilkunde
Zu Mispelfrüchten findet man leider nur sehr wenig Literatur. Hildegard von Bingen hat Mispelfrüchte bei Schwäche und zudem eher bei sensitiven Menschen zur Stärkung empfohlen (eine ähnliche Wirkung wie Schlehenfrüchte). Sie empfahl die Mispel auch bei Blutarmut.
Wie die Weissdornfrüchte eignen sich jedoch auch Mispelfrüchte um unsere Milz zu stärken.
Gerbstoffe verwenden wir in der Phytotherapie oft auch bei Haut- und Schleimhautproblemen.
Gerbstoffe, wie wir sie reichlich in der Mispel finden, wirken:
- zusammenziehend
- stopfend
- blutstillend
- bakterienhemmend
- schimmelpilzwidrig
- betäubend
- austrocknend
- gerbend
Früher war das Wort: „Gerben“ für viele ein Begriff. Mithilfe von pflanzlichen Stoffen hat man früher Leder gegerbt (tierische Haut wurde in Leder überführt).
Die Ernte der Mispelfrüchte
Die Ernte der Früchte findet im November bis Dezember statt. Weil Mispeln einen hohen Gerbstoffgehalt besitzen, müssen wir sie erst über einen gewissen Zeitraum lagern. Erst wenn sich das Fruchtfleisch braun verfärbt hat und die Früchte weich geworden sind, eigenen sie sich zum Verzehr. Oder wir ernten die unreifen, noch harten Früchte und legen sie für ca. 3-4 Stunden in unser Gefrierfach. Anschliessend eignen sie sich ebenfalls zum Verzehr. Persönlich ernte ich sie erst, wenn es über einige Tage nicht regnete, damit ist die Gefahr der Schimmelbildung der Früchte geringer.
Mispelfrüchte in der Küche
Mispelfrüchte können wir roh, beispielsweise in einem Frühstücksmüsli verzehren.
Wenn sie genügend ausgereift sind, schmecken sie süss. Sehr ähnlich wie Aprikosen oder Pfirsiche. Mispelfrüchte enthalten, wie viele Wildobstsorten, einen hohen Anteil an Vitamin C, weitere gesundheitsfördernde Vitamine, Mineralstoffe sowie der Anteil an Pektin ist sehr hoch, weshalb aus Mispelfrüchten auch gerne Marmelade hergestellt wird.
Was du beim Verzehr der Früchte zusätzlich beachten solltest
Jede Frucht enthält fünf Kerne. Die Kerne und Haut sind vor dem Verzehr zu entfernen. Da die Mispel viele Gerbstoffe enthält, sollten wir sie nicht überdosieren. Eine zu hohe Dosierung von Gerbstoffen könnte unsere Schleimhäute reizen und kann sie austrocknen und im schlimmsten Falle sogar Übelkeit auslösen. Doch bei einer ganz normalen Dosierung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.
GERBSTOFFE IN DER NATUR
Gerbstoffe finden wir meist in allen Pflanzenteilen. Gehäuft finden wir sie allerdings vorwiegend in Rinden und Wurzeln. In der Natur haben Gerbstoffe eine konservierende und abgrenzende Aufgabe. Wusstest du, dass ohne Gerbstoffe die Wurzeln beispielsweise sofort zu modern beginnen würden im Erdreich? Gerbstoffe schützen Pflanzen vor Bakterien, Viren und Pilzen.
Auch in meinem Online-Kräuterkurs lernst du viele Heil- und Wildpflanzen aus unserer unmittelbaren Umgebung kennen, lernst mehr über die verschiedenen Wirkstoffe, erhältst viele Rezepte und noch vieles mehr.
REZEPTE MIT MISPELN
Aus Mispeln lassen sich Gelee, Marmelade, Mus, Likör, Mispel-Vermicelle oder Schlorzifladen – „eine Spezialität aus dem Neckertal“ oder bestimmt wäre auch ein Fruchtleder möglich aus Mispelfrüchten.
Wenn wir Marmelade herstellen wollen, eignet sich eine Flotte Lotte dazu, welche wir in jedem Hauswarengeschäft finden. Zur Not eignet sich auch ein Sieb. Die Marmelade könnten wir auch mit Xylit herstellen. Wer jedoch hier keinen üblichen Haushalts- oder Rohzucker verwenden möchte, sollte unbedingt beachten, dass die Marmelade dadurch nicht besonders lange haltbar ist.
Mispel-Vermicelles
Das eingedickte Mispelmus mit Vanillezucker und Rum oder Cognac vermischen (oder ggf. erst mit Vanilleschoten aufkochen) und wie ein Vermicelles servieren.
Schlorzifladen – eine Spezialität aus dem Neckertal
Einen Kuchenteig auswallen. Mit einer Mischung aus Birnenmus, gedörrten Birnen und 1/8 Teil Mispelmus bedecken. Nach Geschmack Lebkuchengewürz oder Birnbrotgewürz beigeben. Der Guss stellen wir mit Sahne, Eier und Mehl her. In einem Verhältnis von 2 Tassen Sahne, 2 Eier und 1 EL Mehl und wenig Rohzucker, Zimt und eine Prise Salz hinzugeben.
Backzeit: Bei 220 Grad eine ½ h backen.
Quelle Rezepte: Die beiden letzten Rezepte stammen von Pavel Beco, Bio-Baumschule, CH-9115 Dicken SG.
Ein Rezept ohne weissen Haushaltszucker
Mische deine Mispeln mit Mandelmus und etwas Vanillepulver und so hast du beispielsweise einen gesunden, leckeren und süssen Brotaufstrich für beispielsweise Rohkostcracker oder ein selbstgebackenes, frisches Dinkelvollkornbrot.